Lavendel schneiden: So verlierst du die Angst vor dem Lavendelschnitt
- DI.in Verena Schönauer

- 22. März
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. März
Komm ich zu meinen Kundinnen in den Garten ist der Lavendelschnitt das Thema, das mit den größten Ängsten besetzt ist. Ich erkläre dir in diesem Blog, warum das so ist und was du wissen musst, damit du deine Angst vor dem Lavendelschnitt verlierst.
Willst du, dass dein Lavendel nicht auseinanderfällt oder an manchen Stellen dürre Lücken hat, also vergreist, dann ist es notwendig, den mediterranen Kleinstrauch regelmäßig zu schneiden. Von Natur aus wäre der Schnitt nicht notwendig – unsere Ansprüche an die Optik der Pflanze setzen ihn allerdings voraus.
Inhaltsverzeichnis
Warum Lavendelschnitt Angst macht
Lavendel ist keine Staude (Blume)
Wissenswertes, das den Lavendelschnitt beeinflusst
Wie du erkennst, wo du schneiden darfst
Andere Halbsträucher, wie der Lavendel
Lavendel nach der Blüte schneiden
So bekommst du verholzten und unförmigen Lavendel wieder in Form
Warum Lavendel auseinanderfällt - häufige Ursachen
Struppiger Lavendel nach Blütenschnitt
Weiteres Wissenswertes zu Lavendel
Lavendelarten und ihre Unterschiede
Standortansprüche - So gedeiht Lavendel am besten

Warum der Lavendelschnitt so vielen Angst macht
Lässt du Lavendel einfach vor sich hinwachsen, wird die Pflanze mit der Zeit von unten kahl. Größere Lücken treten auf, manchmal werden die verholzten Zweige lang und bogig und legen sich mit ihren Blütenbüscheln über andere Stauden im Blumenbeet. Schneidest du diese verholzten Zweige stark zurück – oder setzt die ganze Pflanze auf Stock – passiert es doch oft, dass der Lavendel nicht mehr austreibt. Er stirbt. Da wir das nicht wollen, vermeiden wir den Lavendel zu schneiden – und der Teufelskreis beginnt.
Lavendel ist kein Staude – sondern ein Halbstrauch
Wir verwenden Lavendel im Blumenbeet wie eine mehrjährige Blume (Fachbegriff: Staude), wie z.B. Storchschnabel oder Glockenblume.
Lavendel ist aber keine Staude, sondern ein Halbstrauch. Und bei Sträuchern wissen wir, die haben holzige Zweige.
Wissenswertes zu Halbsträuchern, die für den Lavendel-Schnitt relevant sind
Als Halbstrauch bezeichnen wir eine ausdauernde Pflanze, die an der Basis verholzt und an den einjährigen Trieben blüht. Die diesjährigen Triebe sind noch nicht holzig, die älteren Zweige aber schon.
Das wichtigste Merkmal für uns – das uns aber das Fürchten lehrt 😉 - ist, dass die Erneuerungsorgane (Knospen) nicht wie gewohnt bei den anderen mehrjährigen Blumen (Stauden) unter der Erde zu finden sind (Erdschürfepflanzen) und dort unter der Erde überwintern. Die Knospen sitzen leicht erhöht oberhalb der Erde (wie bei anderen Sträuchern auch – aber nicht ganz so hoch oben - > Halbstrauch). Kommt es zu einem starken Schaden an der Pflanze, kann diese sich nicht aus der Basis (Wurzeln) erneuern.
Schneide ich zu tief ins alte Holz (bedeutet also unterhalb der Triebknospen) – kann es sein, dass ich alle Triebspitzen wegschneide. Die Pflanze treibt nicht mehr aus.
Fotos: Im unteren Bereich der Lavendelzweige findet sich bereits frischer, grüner Austrieb. Nach dem Rückschnitt schaut der Lavendel kurz etwas trostlos aus - nach kurzer Zeit wird er wieder in vollem Grün stehen und wundervoll blühen - gut geformt!
Wie du erkennst, wo du schneiden darfst
Schau dir deinen Lavendelstrauch an – drücke die Zweige auseinander – meist kannst du im Frühling schon kleine neue Austriebe weiter unten an den Zweigen finden. Oberhalb dieser Austriebe kannst du den Lavendel zurückschneiden.
Ich schneide Lavendel meist später zurück (ab Forsythienblüte), damit diese jungen Triebe – die nach dem Schnitt frei liegen, nicht von Frost geschädigt werden.
Die nicht verholzten Teile des Lavendels (z.B. Blütenstängel) frieren im Winter zurück. Die werden auf jeden Fall wegschnitten, wenn sie nicht schon im Herbst entfernt wurden.
Andere Halbsträucher im Garten, die wie der Lavendel funktionieren
Rosmarin, der offizinelle Salbei, Thymian, Ysop und viele andere schön blühende Pflanzen, wie die Perovskie oder auch die Cistrose zählen zu den Halbsträuchern. Halbsträucher sind eine
Anpassung der Natur an karge, trockene Standortverhältnisse. Sie vertragen meist keine Staunässe. Und auch zu viel Dünger tut ihnen nicht gut – sie powern sich zu ehr aus und sind dadurch wesentlich kurzlebiger und dazu noch frostgefährdeter!

Lavendel nach der Blüte schneiden
Der Rückschnitt nach der Blüte fördert meist eine leichte Nachblüte. Das Wegschneiden den abgeblühten Stängel ist kein Pflanzenrückschnitt.
Verholzter oder unförmiger Lavendel: So bekommst du ihn wieder schön
Hast du deinen Lavendel in den letzten Jahren nicht regelmäßig zurückgeschnitten, dann ist mit dem Blütenschnitt eine Möglichkeit etwas tiefer ins Grüne zu schneiden und dadurch wieder mehr Form in den Strauch zu bekommen.
Fotos: Zuviel Feuchte durch eine dicke Rindenmulch-Schicht hat Teile des Lavendels absterben lassen. Rechts: vorne: neuer Nachtrieb - hinten: schlaksige Zweige ohne Rückschnitt
Lavendel kannst du durch geduldiges, mehrmaliges Schneiden über zumindest 2 Jahre meist wieder in Form bringen:
etwas tiefer nach der Blüte – soweit herunterschneiden, dass die Pflanze noch grün bleibt. Auch wenn er dann wie geschoren aussieht! Das wächst sich bald wieder aus. Diesen intensiven Schnitt nicht später als erste Augustwoche durchführen.
im Frühjahr, das nächste Mal schneiden
Und dann so weiter im darauffolgenden Jahr
(eventuell einen Chelsea-Chop – zusätzlich noch dazu in den neuen Austrieb)
Bei jedem Schnitt den Lavendel etwas tiefer schneiden – das erfordert manchmal Mut – aber von nix kommt nix – und wenn der Schnitt zu Beginn verabsäumt wurde, dann musst du einfach mal mutig sein!
Fotos: Ausgewachsener Lavendel - hier wurde zuerst nur eine Hälfte des Busches zurückgenommen. Dann aber doch auch noch der zweite Teil für die Erneuerung geschnitten. Fazit: der Halbstrauch baut sich wieder buschig von neuem auf!
Warum Lavendel auseinanderfällt – häufige Ursachen
Kein Schnitt
Zuviel Wasser: Im Jahr 2024 jammerten sehr viele meiner Kundinnen, dass der Lavendel so „Langhaxig“ austreibt und auseinanderfällt. In diesem Frühjahr hatten wir seit langem wieder viel mehr Niederschlag im Frühjahr – das hat der Lavendel voll ausgenutzt und den Überfluss in verstärktes, schnelles Wachstum umgesetzt: mit der Folge, dass die Pflanzen in diesem Jahr auseinandergefallen sind.
Zuviel Dünger: Lavendel kommt aus einer kargen, nährstoffarmen Natur. Unsere Gärten sind aber auch ohne Zusatzdünung schon wesentlich nährstoffreicher als der Lavendel es braucht und dann wird noch scheinbar viel Gutes getan mit Kompost und anderen Düngergaben. Das braucht und will der Lavendel nicht. Er gedeiht am besten mit ganz wenigen Nährstoffen.

Struppiger Lavendel nach Blütenschnitt: Was tun?
Oft wirkt der Lavendel nach dem Blütenschnitt struppig und unrund, vor allem wenn du die Blüten einzeln oder nur in kleinen Büscheln abgeschnitten hast. Nach der Blütenernte schneidest du einfach etwas tiefer ins Grüne hinein – kugelig – bogig. So bekommst du wieder einen gleichmäßige Strauchform.
Weiteres Wissenswertes zum Lavendel:
Lavendelarten und ihre Unterschiede
Der schmalblättrige Lavendel (Lavandula angustifolia) wird bei uns am meisten verwendet, weil er am besten winterhart ist. Hier können wir aus unterschiedlichsten Sorten aussuchen. Kleinwüchsigere aber auch Farben von Weiß, Rosa, Lilatöne bis ins Blau.
Lavandula latifolia, der Speik Lavendel, oder Breitblättrige Lavendel ist weniger winterhart – etwas bis -5*C. Ein gut durchlässiger Boden ist für die Winterhärte besonders wichtig. Ebenso ein Schutz mit Reisig.
Der Französische Lavendel (Lavandula x intermedia) ist eine Kreuzung von Lavandula angustifolia mit Lavandula latifolia. Dieser Lavendel blüht etwa 2 Wochen später als der schmalblättrige Lavendel. Der Strauch, aber auch die Blütenköpfe wurden hier auf Größe gezüchtet – für die Produktion des Lavandin-Öls. Der Winterschutz ist v.a. in rauen Gebieten unbedingt notwendig. Zu tiefer Schnitt zur falschen Zeit verträgt dieser Lavendel gar nicht gut.
Der Schopflavendel (Lavandula stoechas) ist bei uns meist nicht winterhart. Er fällt durch seine großen Hochblätter auf (Schopf). Er bevorzugt kalkarme, sandige Böden. Ihn gibt es meist saisonal zu kaufen. Leider wird meist nicht auf die fehlende Winterhärte hingewiesen.
Lavendel in Kisten und Kübeln für den Balkongarten
Lavandula angustifolia mit seinen vielen Sorten ist wunderbar für den ausdauernden Balkongarten geeignet. Gerade am Balkon ist es einfach auf die Bodenbedürfnisse des Lavendels zu achten. Mische die Erde zumindest mit einem Drittel mineralischem Material (Sand/Kies/gebrochener Blähton).
Regelmäßige Düngergaben sind nicht notwendig. Steht der Lavendel im Topf über den Winter zu nass – dann besteht die Gefahr, dass er Fröste nicht übersteht!
Lavendelblüten als Mottenschutz im Kasten verwenden
Auch die verblühten Lavendelköpfe duften und können im Duftsackerl verwendet werde. Einziger Wehmutstropfen, sie sind nicht mehr lilablau, sondern bräunlich-grau - aber in einem Duftsackerl sieht das ja eh keiner!!
Standort & Boden: So gedeiht Lavendel am besten
Sonnig
Halbschattig gedeiht er auch noch – verkahlt dann aber schneller, Triebe reifen weniger schnell aus, legt sich schneller nieder
trocken (bis frisch)
durchlässig
keine Staunässe = häufigste Todesursache
lehmig, sandig-kiesig, kiesig-lehmig, neutral bis alkalisch
Lebensbereiche nach Kiermaier: 6.1.2.8 – Steppengehölze & Trockenwälder
Zeigerwerte: T7 - Wärmezeiger, K6, F3 – Trockniszeiger, R6 – Mäßigsäure- bis Neutralzeiger, N3 – Nährstoffarmutszeiger

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Quellen: Vergleiche:
Bärtels, Gehölze von A-Z, © 2009, 2023 Eugen Ulmer KG
Gartenpraxis 08-2017- GartenpraxisTipp – Lavendel in Form bringen, Ulmer Verlag




































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