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Nisthilfen für Wildbienen aus Naturmaterialien selbst bauen – so funktioniert dein Bienenhotel!

  • Autorenbild: DI.in Verena Schönauer
    DI.in Verena Schönauer
  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wildbienen leisten als Bestäuber einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Natur. Mit selbstgebauten Nisthilfen aus Naturmaterialien kannst du ihnen einen zusätzlichen Lebensraum schaffen – direkt in deinem Garten oder auf dem Balkon.



Warum viele im Handel angebotene Insektenhotels nutzlos sind!

Viele Insektenhotels sind leider ungeeignet: Sie enthalten giftige Materialien oder sind nicht fachgerecht gebaut. Die Löcher sind ungeeignet oder verletzen die Bienen. Manche Strukturen sind für die Tiere absolut uninteressant. Die Folge: Sie werden von Wildbienen gar nicht angenommen. Prüfe vor dem Kauf, ob die Nisthilfen die Kriterien erfüllen!!

 

Nisthilfen für Hohlraumbesiedler – Tipps für den Bau

Mit diesen Nisthilfen kannst du der Gruppe von Wildbienen, die in Hohlräumen brüten, einen Ablageplatz für ihre Eier anbieten.  Sie sind Solitärbienen und bilden keinen Staat. Sie leben allein und legen auch ihre Eier einzeln ohne die Hilfe eines Staates ab.

Etwa 20 % der Wildbienen in Österreich legen ihre Eier einzeln in Röhren ab. Genau für diese Arten kannst du mit einfachen Mitteln ein funktionierendes Bienenhotel selbst bauen.


Damit dein Bienenhotel nicht nur schön aussieht, sondern auch angenommen und genutzt wird, solltest du einige grundlegende Punkte beachten:


Hohle Pflanzenstängel als Nisthilfen für Wildbienen

Am einfachsten gelingt der Bau mit Schilf oder Bambus. Diese liefern hohle Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern. Du kannst Bambusstäbe im Baumarkt kaufen, oder Schilfhalme in der Natur sammeln. Aber auch andere hohle Stängel sind geeignet.

Schilfstängel als Nisthilfen für Wildbienen - Erklärung
Hole Schilfstängel eignen sich besonders gut als Nistplatz für einige Wildbienen.

Diese Nisthilfe wird u.a. gerne von der Gehörnten und der Rostroten Mauerbiene angenommen, aber auch Scherenbienen und Maskenbienen legen ihre Brut in leeren Röhren ab.

Achte auf folgende Punkte:

  • Durchmesser: 2–9 mm, nicht ausgefranst oder aufgerissen 

  • Länge etwa 10-20cm, für die Gehörnte Mauerbiene, sollte die Länge zumindest 10cm tief sein

  • Röhren waagrecht platzieren oder aufhängen

  • Mehrere Stängel zu einem Bündel zusammenbinden – zum Beispiel mit einem Kabelbinder oder einer Schnur.

  • Halme wie Schilf oder Bambus sind durch Knoten unterteilt – achte darauf, dass diese die Eingänge nicht versperren und genügend Platz bis zum nächsten Knoten ist. (siehe Foto) Ein Ende der Stängel bzw. Röhren muss geschlossen sein, damit das Innere dunkel ist!



Hartholzblöcke mit Bohrlöchern

Eine weitere Möglichkeit sind Holzblock-Nisthilfen:

Holzblöcke kannst du beim Tischler nachfragen, Hartholz-Scheiter vom Brennholz, vereinzelte Fundstücke aus der Natur nehmen

  • Trockenes Hartholz verwenden

  • Lochgröße: 2–9 mm

  • Der Abstand zwischen den Löchern etwa 10mm betragen, bei kleinen Löchern 6mm

  • Länge der Löcher je nach Bohrer, 5-10cm tief – kleines Loch kürzer, großes Loch - länger Unterschiedliche Bienenarten bevorzugen unterschiedliche Größen!

  • Nicht ganz durchbohren – hinten geschlossen lassen, damit es dunkel in der Röhre ist

  • Quer zur Holzfaser bohren: nicht dort wo die Jahresringe zu sehen sind

  • Ränder mit Schleifpapier gut glätten, sonst besteht Verletzungsgefahr

  • Bohrmehl aus der Röhre entfernen

  • Optional: kleines Dach als Schutz vor Feuchtigkeit

 

Eine Liste welchen Durchmesser von welcher Biene bevorzugt wird bietet der Experte Paul Westrich ganz unten auf dieser verlinkten Seite an!

 

Funfact: Bei uns wurden ganz unbemerkt die Steher eines Ikea-Regals während Renovierungsarbeiten des Kinderzimmers zum Nistplatz für Wildbienen. Ich hatte sie am Balkon abgestellt. Ich brachte es nicht übers Herz, die Nester zu zerstören. Der Regalsteher blieb am Balkon. Seitdem gibt’s bei uns Ikea-Nistplätze für die Wildbienen.

 


Markhaltige Pflanzenstängel als Nisthilfe

Markhaltige Stängel als Nisthilfe für Wildbienen dekorativ zusammengesteckt mit Blumentopf und getrockneten Blütenköpfen
markhaltige Stängel mit getrockneten Blütenköpfen am Balkon

Diese Wildbienenarten nutzen gerne markhaltige Pflanzenstängel zum Bau ihrer Nester:

Blaue & schwarzglänzende Keulhornbienen, Dreizahn-Mauerbienen & Gewöhnliche Maskenbienen.

Geeignet sind z. B. Brombeeren, Himbeeren, Disteln, Kletten oder Königskerzen.

  • Pflanzenstängel von Blättern und Dornen befreien,

  • Senkrecht aufstellen, einzeln im Abstand von zumindest 20cm

  • nicht bündeln!!

Ich klemme die Stängel der Königskerze hinten an die Wand, und verteile sie so über den ganzen Balkon.


Der richtige Standort für dein Bienenhotel

Wildbienen lieben Wärme. Stelle deine Nisthilfe daher an einem sonnigen, trockenen Platz auf.

  • Öffnungen nicht nach Norden ausrichten

  • Frei anfliegbar platzieren

  • Optimal sind von Südosten bis Südwesten ausgerichtete Standorte


Auf meinem Balkon stehen die wenigsten Nisthilfen vollsonnig, bzw. sind sie nur im Frühling und im Herbst stark besonnt. Im Sommer liegen sie im Schatten. Sie werden trotzdem besiedelt. Aber es ist auch im Schatten meines Balkons sehr warm!


Schutz vor Vögeln

Manchmal picken Vögel die Röhren heraus. Falls du das verhindern möchtest:

  • Großmaschiges Netz verwenden

  • Abstand von mind. 20 cm zu den Eingängen halten

  • Wenn du ein Gitter vor die Nisthilfe, dann,

  • Nimm ein großmaschiges Netz damit Bienen ohne Verletzung durchkönnen

  • Bring es im Abstand etwa 20 cm an


Ich schütze die meisten Nisthilfen nicht. Im Winter kommen manchmal die kleinen Vögel und suchen nach Futter. Aber auch das gehört für mich zum Kreislauf der Natur dazu.

 

Futterpflanzen für Wildbienen nicht vergessen!

So ernähren sich die Wildbienen auf deinem Balkon:

Zwei Drittel der Wildbienen sind nicht sehr wählerisch in der Pflanzenwahl für Nektar und Pollen, sie sind polyklet = nicht spezialisiert. Sie können an vielen verschiedenen Pflanzen Nahrung finden.

Das andere Drittel der Solitärbienen ist spezialisiert, oligolekt und besucht nur Blüten von bestimmten Pflanzengattungen oder -arten. So sammelt etwa die Glockenblumen-Scherenbiene nur an Glockenblumen.


Mein Tipp: Eine artreiche Pflanzgestaltung bietet vielen unterschiedlichen Insekten Nahrung!

(Fotos: Narzisse, Bergquendel, Geißblatt und Beinwell als Futterpflanzen für unterschiedliche Solitärbienen)

Mein Tipp: Einzelne Bienenarten gezielt fördern:

Willst du bestimmte Wildbienenarten fördern, dann schau dir an, welche Futterpflanzen sie bevorzugen und ob du sie auch mit einer Nisthilfe unterstützen kannst. Achte darauf, dass du beides in der Nähe anbieten kannst!


Z.B. die Glockenblumen-Scherenbiene, Osmia rapunculi (siehe Foto), braucht Glockenblumen zur Futter- und Pollensuche. Sie bevorzugt einen Durchmesser von 3,5-4mm bei den Röhren. Auch mit Lauchblüten kannst du spezialisierten Bienen Nektar und Pollen anbieten.


Mehr zu Laucharten am Balkon findest du in diesen beiden Blog-Artikeln:

Bienenfreundlicher Zierlauch für den Sommer

Spätblühender Zierlauch - darauf fliegen die Bienen im Spätsommer


Wasserstellen für Wildbienen

Vergiss auch nicht auf eine Möglichkeit, wo sich Insekten mit Wasser versorgen können. Steine helfen den Bienen, dass sie in der Wasserschüssel nicht ertrinken.



Räum nicht alles weg. Blätter und Stängel können als Schlafplatz oder zum Nestbau hilfreich sein!


Fazit: Ein Bienenhotel aus Naturmaterialien ist leicht und kostengünstig gebaut.

Wenn du auf die richtige Röhrengröße, saubere Verarbeitung und einen sonnigen Standort achtest, wird deine Nisthilfe garantiert angenommen.

Dein Beitrag zur Artenvielfalt und ein spannendes Naturerlebnis direkt vor deiner Haustür.


Mein Erlebnis-Tipp mit Wildbienen:

  • Zur Zeit des Schlüpfens: Sei still und horche – dann kannst du das Knabbern der schlüpfenden Bienen hören!

  • Zur Zeit des Nestbaus: An einem kalten oder regnerischen Tag: schau dir die Röhren an – manchmal sitzen die Bienen aufgrund der Kälte in den Röhren und warten auf wärmere Zeiten – das schaut besonders niedlich aus!

Häufig gestellte Fragen zu Wildbienen & Nisthilfen: FAQs

Stechen Wildbienen & Solitärwespen?

Nein. Unter den bei uns heimischen Arten zeigen nur manche Hummeln ein Verteidigungsverhalten gegenüber Menschen. Viele Solitärbienen verteidigen ihre Brut nicht. Manche haben keinen Stachel, andere sind im Vergleich zu den Honigbienen und zur Deutschen Wespe zu schwach, um durch unsere Haut zu dringen. * (vgl. Westrich 1)


Meine Erfahrung: Mein Sohn brachte oft Freunde mit, und die waren absolut fasziniert, dass man Bienen auch ohne Panik und Gefahr so nahe beobachten kann. Es gab nie einen Vorfall mit einer Biene im Laufe der letzten 20 Jahre. Auch die Honigbienen, die einen ausgeprägten Nestschutz leben, haben mich beim Nektarsammeln am Balkon noch nie angegriffen.

 

Warum sind Wildbienen gefährdet?

Durch intensive Landwirtschaft und Flurbereinigung verschwinden offene Lebensräume wie Trockenrasen und Magerwiesen. Diese offenen, artenreichen Flächen, die von Blumenwiesen dominiert werden und nicht völlig verbuscht oder verwaldet sind, sind speziell wichtig für die Wildbienen. Zur Futtersuche als auch zum Nisten.

 

Geben oder produzieren Wildbienen Honig?

Nein. Sie sammeln Pollen und Nektar zur Versorgung der eigenen Brut bzw. stärken sich selbst damit. Staatenbildende Hummelarten produzieren nur sehr wenig Honig, der gerade zur eigenen Versorgung reicht.

 

Wo stelle ich die Nisthilfe für Wildbienen auf? 

Am besten nach Südosten bis Südwesten ausgerichtet, trocken und sonnig.

 

Unterstütze ich mit den Nisthilfen nur die Wildbienen?

Nein. Als Folge der starken Vernetzung der Natur und ähnlicher Nistweisen anderer Insekten werden unsere Maßnahmen auch Solitärwespen, wie u.a. Grabwespen, Schlupfwespen und Erzwespen, aber auch Käfer und Fliegenarten unterstützt. Auch sie sind wichtige und bedrohte Insekten. Wespen sind wichtige Bestäuber. Zusätzlich haben sie eine die Funktion als Regulatoren. Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse.


Borstige Dolchwespe - Nisthilfen Wildbienen

Die Natur ist kein exklusives System

Das heißt: ich kann mir nicht aussuchen, dass ich eine Art unterstütze und eine andere, die ich nicht so mag, ausschließen kann.

Jedes Tier hat seinen Platz und seine Aufgabe im Natursystem - auch wenn wir Menschen manche ablehnen.


Unter den Wespen gibt es wie bei den Bienen solitär lebende Arten und staatenbildende Arten. Nur wenige Wespenarten verteidigen ihre Nester, wenn sie sich bedroht fühlen und stechen.


Am Foto siehst du die Borstige Dolchwespe, sie kommt durch den Klimawandel immer öfter bei uns in Wien vor. Auch eine Honigbiene besucht den Steinquendel. Er bietet bis in den späten Herbst hinein Futter für Insekten.

Wie viele Wildbienenarten gibt es in Österreich?

In Österreich gibt es 700 Wildbienenarten, dazu gehören:

  • 23 Arten Blattschneiderbienen

  • 31 Arten Langhornbienen

  • 45 Arten Maskenbienen

  • 55 Arten Mauerbienen

  • 176 Arten Sandbienen

  • 64 Arten Wespenbienen

  • 87 Arten Furchenbienen

  • 46 Arten Hummeln

 

Wie viele Wildbienen gibt es in Wien?

Etwa 500 Arten!!

 

Wo nisten Wildbienen?

  • 50% im Erdboden

  • 19% in bestehenden Hohlräumen

  • 25% in fremden Nestern

  • 3% in selbst genagten Gängen

Totholz & abgemorschtes Holz, hohle Pflanzenstängel, leere Fraßgänge von anderen Insekten, Sand/Erdwänden, von Bewuchs freie Bodenbereiche

Quelle: vgl. www.wildbienen.at

 

Ich bin Pflanzenvirtuosin Verena Schönauer.

Auf meinem Balkongarten wachsen über 150 verschieden Kletterpflanzen, Blumen, Gräser, Kräuter und Obstpflanzen. Durch die standortgerechte Pflanzenauswahl und die angepassten Erdmischungen tanzen die Pflanzen trotz Hitze und Trockenheit. Ich gieße auch die kleinsten Pflanzentöpfe nicht täglich.


Du willst deinen Balkon oder deine Fensterbank auch artenreich bepflanzen?



Literaturverzeichnis: Quellen:

Westrich 1:


 

www.wildbienen.at, 24.11.2025

 


 

Impressum: DI Verena Schönauer, Pflanzenvirtuosin für lebendig tanzende Gärten und Balkone, 1160 Wien 


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