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Blätter mit unterschiedlicher Struktur

Newsletter Nr.1/ April 2003

Der  Impulstext aus dem ersten Newsletter:

Natur- & Umweltpädagogik Newsletter                                                                     Nr.1 April 2003

Natur tut gut

Naturerfahrungen für den Menschen

Die alten Dakota waren weise.

Sie wussten, dass

das Herz eines Menschen, der sich

der Natur entfremdet, hart wird;

sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht

vor allem Lebendigen und allem,

was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor den Menschen absterben lässt.

Deshalb war der Einfluss der Natur,

die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger

Bestandteil ihrer Erziehung.                                  

Luther Standing Bear     

(aus: Reicheis K./ Bidlinsky G., 1991, S.29)

Ich möchte in den nächsten Ausgaben des Newsletters immer wieder darauf zurückkommen warum Natur gut tut und auf welche Arten das passieren kann.
 

Natürliches Wissen?

Leider hat Natur in unserer Gesellschaft einen anderen Stellenwert bekommen. Welcher das ist, ist trotzdem noch sehr unterschiedlich: für die einen Menschen ist es, was wir beherrschen; für die anderen ist es etwas zum Schützen, andere nutzen sie, ohne es zu merken – sie gehen in den Supermarkt – kaufen Lebensmittel und essen sie; wie sie entstehen - und ich glaube, dass trotz allen maschinellen, technischen und chemischen Eingriffen, die Vorraussetzung für jegliche Lebensmittelproduktion, die Natur ist – wissen sie nicht mehr. Viele Kinder wissen nicht mehr wie ein Apfel entsteht.

Was ist hier Wissen? Sie hören es von ihren LehrerInnen und lesen es in ihren Schulbüchern, aber das ist Wissen aus zweiter Hand. Wissen, das sich jeder Mensch aneignet, aber nicht selbst erfahren hat. Wissen aus erster Hand, das sind eigene Erfahrungen, aus denen man seit Kindheit an lernt. Dieses Wissen ist in meinen Augen echtes Wissen – ich habe es selbst erfahren, erlebt und daher meist auch verstanden. Leider fehlt es heutzutage genau an diesem Wissen – an Naturerfahrungen.

Alleine das Vorhandensein von Obstgehölzen im Schul- oder Kindergarten oder zu Hause, lässt uns Menschen den Prozess im Kreislauf der Natur, im Ablauf der Jahreszeiten miterleben. Dieses Werden im Frühling und Sommer und auch das Vergehen im Winter wird zu etwas Selbstverständlichem – man muss ihm gar nicht besonders viel Aufmerksamkeit schenken. 

= passive Naturerfahrung

 

Das Paradies in unseren Köpfen – oder ist es doch in unserem Herzen?

Ich habe vor einigen Wochen ein Experiment mit pubertierenderen Jugendlichen einer 4. Klasse Hauptschule gewagt. Mit einer Phantasiereise wollte ich mit ihnen auf die Suche nach ihrem eigenen Paradies - ihrem Traumgarten - gehen. Meine These ist, dass jeder Mensch so ein Paradies mit sich herumträgt. Manche schaffen es dieses Paradies in ihrem Garten zu realisieren, andere besuchen es immer wieder beim Meditieren, für viele ist es ganz unbewusst einfach da.

Diese Jugendlichen sind laut, wild, wirken uninteressiert, stören die ganze Zeit und könne sich nicht konzentrieren - ich mag fast sagen, „de sand so bled im Schedl, dass ma nix mit ena moch’n konn“ – ich glaub das ist eine oberflächliche, vorschnelle Charakterisierung, die aber die Situation sehr gut verständlich macht.

Leider hat meine toll vorbereitet Phantasiereise nicht funktioniert, denn diese jungen Menschen waren nicht dazu zu bewegen ruhig zu werden, zu sich zu kommen und sich etwas auf ihr Inneres zu konzentrieren – auf jeden Fall nicht auf diese meditative Art und Weise, wie ich das geplant hatte. Kurzer Hand habe ich die Methode gewechselt (die Methoden die ich angewandt habe werde ich unten dann noch genau beschreiben!) - in ein eher wildes Bewegungsspiel, dass schlussendlich die Jugendlichen ebenso zu ihrem Traumgarten führte.

 

Das Ergebnis

 

Ohne Ausnahme, war für diese oben beschrieben Jugendlichen ihr Garten etwas besonders Schönes. Er barg eine wunderbare Artenvielfalt, wo es Wasser gab, viele Farben, Früchte auf den Bäumen, Tiere lebten, es grün war. Es war nicht ganz still aber die Geräusche waren harmonisch. Die Jugendlichen nutzen den Garten zum Entspannen, mit Freunden zusammen sein, um zu Genießen und sich zu Freuen. Dort müssen sie nichts beweisen, dort können sie sein, wie sie sind. Für jeden dieser jungen Menschen ist es ein wichtiger Ort gewesen, der Schönheit, Ruhe, Frieden und Artenvielfalt darstellte.

Ich glaube, das ist, für die gesamte Gesellschaft, die in der heutigen alltäglichen Hektik einen entspannenden Zufluchtsort sucht, besonders wichtig.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich in einer Fachzeitschrift für LandschaftsplanerInnen gefunden, in der von einer Untersuchung über die Lebenswelt Garten berichtet wird: „Es ist ein Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen – Wohlfühlen im Sinn von Geborgensein und Seele baumeln lassen. ..... Das Eintauchen in Rhythmen, Ruhe und Beobachtungen hilft die täglichen Belastungen auszugleichen.“ (Rottenbacher Ch., 2002, S. 49)

Dieses Paradies, das da jeder mit sich herumträgt, ist für mich ein sehr wichtiger Anknüpfungspunkt bei jeglicher umwelt-pädagogischer Arbeit geworden, besonders bei der Arbeit mit Erwachsenen. Ich brauche immer einen Zugang zu den Menschen. Sie müssen vom Thema betroffen sein, damit sie sich interessieren.

Auch aus meiner Sicht als Landschaftsplanerin ist dies ein interessanter Anknüpfungspunkt, denn in der Gartenplanung haben viele Kunden keine Ahnung von dem was sie in ihrem Garten machen wollen, was er ausstrahlen und wie er aussehen soll.

 

Damit Garten für euch ein Stück mehr das wird, was ihr euch ersehnt, geht auf die Suche nach eurem Paradies und pflegt es für euch, damit es euch viel Freude und Erholung für eure Seele bietet. 

->  auch passive Naturerfahrung tut gut!

 

 

Bezüglich der Bezeichnung „Garten“ möchte ich noch anmerken, dass hier genauso ein Balkon in einer Stadt, oder eine mit Pflanzen gestaltete Fensterbank – Garten sein kann und ebenso diese Ansprüche, wie zum Beispiel Entspannung bieten können. Garten muss nicht der eingezäunte Raum rund um ein Haus bedeuten!

Verena Schönauer, April 2003

Quellenverzeichnis:

Reicheis Käthe, Bidlinsky Georg, 1991

Weißt du, dass die Bäume reden – Weisheit der Indianer

Herder Verlag, ISBN 3-210-24741-2

 

Rottenbacher Christine, 2002,

Lebenswelt Garten

in: Zolltexte Zeitschrift österreichischer Landschaftsplanung und Landshaftökologie Nr.43 März 2002, 12.Jahrgang

Samenstand des Bocksbartes

Pflanzenbegegnungen

֍ ​Ein Spaziergang mit Naturversprechen

Naturerfahrungen.

Auszeit in der Natur nehmen.

Pflanzenpersönlichkeiten begreifen & kennen lernen.

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